Mittlerweile lebe ich schon seit einer Woche in Cochabamba und in dieser einen Woche habe ich so viel wie noch nie in meinem Leben erlebt.
Am Donnerstag begann mit einer Entrada das Fest der Urkupiña, also Maria Himmelfahrt. Das Besondere dabei ist, dass es in Cochabamba besonders groß gefeiert wird, da der Legende zufolge Maria hier erschienen ist. Deshalb dauert das Fest ganze 3 Tage.
Die entrada beginnt damit, dass verschiedene Tanzgruppen aus ganz Cochabamba, aber auch aus den anderen Teilen Boliviens, durch die Straßen von Quillacollo tanzen. Dabei kriegt man sehr viele verschiede Volkstänze Boliviens zu sehen wie z.B. den Caporales, der sogar typisch für Cochabambinos ist, den Tincu, den Diablada (mein Favorit ;) ), den Morenada, den Tobas und viele andere Tänze. Insgesamt wird mehr als 5 Stunden durch Quillacollo getanzt.
Am Ende treffen sich alle Tanzgruppen in einer grossen Kirche im Zentrum von Quillacollo.
Dies wird auch am darauffolgenden Tag fortgesetzt.
Am Samstag war dann schließlich der Höhepunkt des ganzen Festes: Die Pilgerwanderung von Cochabamba nach Quillacollo zu einem dort stehenden Hügel.
Traditionell fängt man um 0h mit der Wanderung an. Wir hatten uns jedoch erst um 4h auf dem Weg gemacht, was für mich eigentlich genauso früh war, da ich bereits um 3h aus dem Bett sein musste.
So machten wir uns dann alle um 4h auf dem Weg nach Quillacolla um die Virgen zu besuchen. Obwohl wir ganze 3 Stunden brauchten, kam mir der Weg nicht besonders lang vor (15km sind nicht weit ;) ), zumal wir (die anderen Freiwilligen und ich) uns die ganze Zeit unterhalten hatten und um ca. 6h auch den Sonnenaufgang zu sehen bekamen.
Um 7h in Quillacollo angekommen, frühstückten wir erstmal gemeinsam. Es gab Pastel (eine Teigtasche mit Käsefüllung und Puderzucker oben drauf (klingt absurd, schmeckt aber ziemlich gut)). Vom Frühstuck gestärkt gingen wir dann weiter zum Hügel hinauf, da es dort Gruben gibt, in denen man Steine ausschlagen kann (wird gleich noch erklärt).
So gingen wir dann weiter und entdeckten auf dem Weg lauter kleiner Miniaturgegenstände, wie zum Beispiel Häuser, Geld, Läden, Zertifikate und und und. Diese kann man sich dann kaufen und mit zum Hügel nehmen.
Dort auf dem Hügel faengt man dann mit einem Hammer Steine auszuschlagen. Dabei gilt: Je größer der Stein, desto größer ist auch das Glück, das einen erwartet. Und je nachdem wie viele Gegenstände man sich gekauft hatte, musste man auch mindestens genauso viele Steine ausschlagen. Ich hatte mir diese ganzen Anstregungen erspart und geschlafen (Nein Scherz, mir ging es leider nicht so gut :( ).
Dabei goß man sich immer ein bisschen Bier auf den Stein, den man vorhatte auszuschlagen. Getrunken wurde das Bier auch :D. Wenn man dann alles Steine zusammenhatte, wurden die Gegenstände und die Steine dann zunächst in der indigenen Form und danach in der katholischen Form gesegnet. Danach musste man zusehen, wie man die Steine wieder nach Hause bringt und das kann bei "glückgierigen" Leuten schon sehr anstregend sein. Zum Glück mussten wir die Steine nicht wandernd nach Hause tragen, sondern konnten auch den Trufi nehmen.
Als wir am Abend dann endlich zu Hause ankamen, waren meine Mitbewohnerin Johanna und ich fix und fertig. Unserer Gastmutter und Gastschwester ging es deutlich besser, da sie erst zum Frühstuck mit dem Trufi in Quillacollo antanzten.
Am nächsten Tag wollten wir ein bisschen mehr von der Stadt entdecken und machten einen Ausflug zum Cristo de la Concordia (ja, Cochabamba hat auch einen Cristo, sogar einen größeren als Rio de Janeiro :P). Und da Rebecca, Annika, Johanna und ich so wanderlustig waren, beschlossen wir per Treppe zum Cristo zu gehen, anstatt mit der Gondel oder mit dem Auto hochzufahren.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie anstrengend das war mehr als eine Stunde die Treppen hochzulaufen!!! Alle 20 Stufen mussten wir eine kleine "pausita" einlegen. Dabei waren nicht nur die Stufen und die Hitze ermüdigend, sondern auch die Tatsache, dass wir hier in Cocha 2000m höher liegen als in Deutschland!!!
Endlich am Cristo angekommen, wurden wir mit atemberaubenden Aussichten belohnt. Da hieß es erstmal: Gaaaaaaaaanz viele Fotos machen ;D.
Aber was wären wir für Weltentdecker, wenn wir nur die Treppen zum Cristo und nicht den Cristo selbst erklimmten? Also begaben wir uns in den Cristo hinein und durften wieder eine Viertelstunde Treppenstufen hinaufgehen :D.
Und auch dort konnte man durch kleine Gucklöcher nach draußen sehen, wo man dann auch die Aussichtsplattform des Cristos gesehen hatte und somit auch die Touristen, die dort unten waren.
Ursprünglich wollten wir dann mit der Gondel wieder nach unten fahren, doch durch die langen Schlangen vor der Gondel ist uns die Geduld ausgegangen, sodass wir auch die Stufen wieder nach unten liefen.
Vom plötzlichen Regenschauer überrascht begaben wir uns dann schnell nach Hause um einen Tee und Sopa de Mani (Erdnusssuppe) zu genießen.
Das war's dann wieder für heute
Besos
Shelly
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen